Folge 08: Unterarmmuskulatur I (Ventrale oberflächliche Schicht)

Folge 08: Unterarmmuskulatur I (Ventrale oberflächliche Schicht)

Die topografische Gliederung der Unterarmmuskeln erfolgt in ventral und dorsal gelegene Muskelgruppen, wobei jeweils oberflächlich und tief gelegene Muskeln unterschieden werden. Hinzu kommen die radialen Unterarmmuskeln.

Oberflächliche Schicht der ventralen Unterarmmuskeln:

  • M. pronator teres
  • M. flexor digitorum superficialis
  • M. flexor carpi radialis
  • M. flexor carpi ulnaris
  • M. palmaris longus.

Die Muskeln entspringen vom Epicondylus medialis humeri und werden mit Ausnahme des M. flexor carpi ulnaris (N. ulnaris) durch den N. medianus innerviert.

M. pronator teres

Der Musculus pronator teres (lat. für „runder Einwärtsdreher“) verläuft auf der Vorderseite des Unterarms. Er entspringt mit seinem Caput humerale am Oberarmknochen (Humerus) und mit seinem Caput ulnare an der Elle (Ulna) und zieht zur Außenfläche der Speiche (Radius). Unter dem Muskel hindurch ziehen Arteria und Vena brachialis. Der Nervus medianus (Ramus muscularis) verläuft in der Regel zwischen den beiden Muskelköpfen. Die Arteria radialis liegt über dem Muskel und die Arteria ulnaris unter dem Muskel.

Funktion

Der Musculus pronator teres bewirkt zusammen mit dem Musculus pronator quadratus die Pronation (Einwärtsdrehung) des Unterarmes. Der Muskel ist nachrangig auch an der Beugung im Ellenbogengelenk beteiligt.

Innervation

Der M. pronator teres wird durch den Nervus medianus innerviert. Dieser Nerv tritt in seinem weiteren Verlauf zwischen den beiden Köpfen des Muskels hindurch und kann dabei durch Druck geschädigt werden. Dies kann sich als Pronator-teres-Syndrom insbesondere mit Schmerzen und Sensibilitätsstörungen äußern.


M. flexor digitorum superficialis

Der Musculus flexor digitorum superficialis (lat. für „oberflächlicher Fingerbeuger“) stellt die mittlere Schicht der Beuger am Unterarm dar. Er teilt sich in vier Sehnen auf, die durch den Karpaltunnel ziehen. Kurz vor ihren Ansätzen teilen sich diese dann noch einmal in zwei Zügel auf. Die Sehnen des Musculus flexor digitorum profundus verlaufen durch die entstandenen Lücken.

Der Muskel besitzt zwei Muskelköpfe:

  • Caput humeroulnare (Oberarmknochen-Ellen-Kopf)
  • Caput radiale (Speichenkopf)

Funktion

Der Musculus flexor digitorum superficialis beugt den Ellenbogen, die Hand im Handgelenk und den 2. bis 5. Finger bis zum mittleren Glied.


M. flexor carpi radialis

Der Musculus flexor carpi radialis (lateinisch für „speichenseitiger Handbeuger“ oder „radialer Handbeuger“) ist ein Skelettmuskel und gehört zu den Beugern der oberflächlichen Schicht am Unterarm. Speichenseitig (radial) der Ansatzsehne kann man den Puls der Arteria radialis („Radialispulsgrube“) tasten. Sie läuft durch einen eigenen Sehnenscheidenkanal außerhalb des Karpaltunnels.

Funktion

Der Musculus flexor carpi radialis beugt die Hand im Handgelenk, und ist außerdem für die speichenseitige Abduktion, das heißt das seitwärtige Abknicken der Hand in Richtung Daumen, verantwortlich.


M. flexor carpi ulnaris

Der Musculus flexor carpi ulnaris (lat. für „ellenseitiger Handbeuger“) ist einer der oberflächlichen Beuger am Unterarm. Wichtig! Er ist der Leitmuskel für die Arteria, Vena und den Nervus ulnaris. Die Ansatzsehne lässt sich proximal des Erbsenbeins (Os pisiforme) leicht tasten. Das liegt daram das diese nicht durch den Karpaltunnel zieht.

Der Muskel hat zwei Ursprünge und damit zwei Muskelköpfe

  • Caput humerale (lat.: Oberarmknochenkopf)
  • Caput ulnare (Ellenkopf)

Der Muskel wird vom Nervus ulnaris innerviert.

Funktion

Der Musculus flexor carpi ulnaris beugt die Hand im Handgelenk. Aber hauptsächlich die Ulnarabduktion (Abknicken der Hand in Richtung des kleinen Fingers).

Bei einer Vergrößerung des Muskels durch eine Mehrbelastung kann ein Kompressionssyndrom auftreten, wenn der Nervus ulnaris eingedrückt wird, da dieser zwischen den beiden Ursprüngen an Epicondylus medialis und Olecranon hindurchzieht (Kubitaltunnelsyndrom)


Musculus palmaris longus

Der Musculus palmaris longus (lat. für „langer Hohlhandmuskel“) entspringt vom Epicondylus medialis des Oberarmknochens (Humerus) sowie von der Innenseite der Unterarmfaszie (Fascia antebrachii). Der schlanke Muskel setzt in der Aponeurosis palmaris und am Retinaculum flexorum an. Der Musculus palmaris longus ist an der Beugung des Handgelenks beteiligt und spannt die Aponeurosis palmaris.

Er besitzt viele Varianten von Form, Ursprung und Ansatz. In etwa 13 % der Fälle fehlt der Muskel vollständig. In diesem Falle lässt sich eine relative Vergrößerung des Musculus palmaris brevis beobachten

Der Musculus palmaris longus ist der oberflächlichste aller Beuger im Handgelenk, wodurch seine Sehne (sofern vorhanden) bei einer Beugung der geschlossenen Hand (Faustschluss) sehr prominent in der Mitte des Handgelenks sichtbar wird.


Lerntipp 🫀

💡
Auf Youtube kannst Du mittels der Kapitelfunktion gezielt einzelne Muskeln nachhören.