Folge 05: Schultergelenkmuskulatur

Folge 05: Schultergelenkmuskulatur
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Transkript der Folge 05

Die Schultergelenkmuskulatur wird in eine dorsale und eine ventrale Muskelgruppe unterteilt, die alle am Oberarmknochen inserieren.

4 Muskeln der dorsalen Muskelgruppe bilden die sog. Rotatorenmanschette (M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor, M. subscapularis). Diese wird in einer eigenen Folge behandelt.

  • M. supraspinatus
  • M. infraspinatus
  • M. teres minor
  • M. subscapularis

Muskeln der dorsalen Gruppe in dieser Folge sind der:

  • M. deltoideus
  • M. teres major
  • M. latissimus dorsi.

Zur ventralen Muskelgruppe gehören:

  • M. pectoralis major
  • M. coracobrachialis.

Dorsale Gruppe

M. deltoideus, M. teres major, M. latissimus dorsi

M. deltoideus

Der Musculus deltoideus, auch kurz Deltoideus oder Deltamuskel genannt, ist ein dreieckiger Skelettmuskel. Er liegt wie ein Paket ĂŒber dem Schultergelenk und verleiht ihm Halt, indem er den Kopf des Oberarmknochens in die Gelenkpfanne drĂŒckt. Der Musculus deltoideus ist wesentlich an der Kontur der Schulterregion beteiligt und dient der Hebung des Oberarms.

Anteile

Der Deltamuskel lÀsst sich beim Menschen in drei Teile untergliedern:

  • Pars clavicularis (SchlĂŒsselbeinteil; „vorderer Deltamuskel“)
  • Pars acromialis (Schulterhöhenteil; „mittlerer Deltamuskel“)
  • Pars spinalis (GrĂ€tenteil; „hinterer Deltamuskel“)

Funktion

Nach initialer Abduktion des Armes um ca. 10 Grad durch den Musculus supraspinatus zieht der Deltoideus mit seinen mittleren Fasern (pars acromialis) den Arm bis ungefĂ€hr 60 Grad nach oben, bevor er aktiv insuffizient wird. Nun erreichen jedoch die gefiederten Anteile (Pars clavicularis und spinalis) ihre benötigte Hubhöhe und können den Arm somit weiter abduzieren und ĂŒber 90 Grad heben. FĂŒr das Heben des Armes ĂŒber die Horizontale (Elevation) ist eine Rotation des Schulterblattes nötig, da der Arm ansonsten gegen das Schulterdach stĂ¶ĂŸt. Die vorderen Fasern ziehen den Arm zusĂ€tzlich nach vorne (Flexion oder Anteversion) und drehen ihn nach innen (medial), die hinteren Fasern hingegen ziehen den Arm nach hinten (Extension oder Retroversion), und drehen ihn nach außen (lateral).

Klinik

Der Musculus deltoideus wird aufgrund seiner Lage (große Entfernung zu Nerven oder Arterien) zur intramuskulĂ€ren Injektion von Medikamenten genutzt. Bei einer LĂ€hmung des Nervus axillaris fĂ€llt der Musculus deltoideus als stĂ€rkster Abduktor im Schultergelenk aus und das Anheben der Arme ist stark vermindert.


M. teres major

Der Musculus teres major (lat. fĂŒr „großer runder Muskel“) befindet sich auf der RĂŒckseite des Körpers und ist an der Bildung der AchsellĂŒcken beteiligt.

Über eine gemeinsame Endsehne mit dem Musculus latissimus dorsi, zieht er durch die Achselhöhle zur Vorderseite des Oberarmknochens. Zwischen dieser Sehne und dem Knochen liegt ein Schleimbeutel (Bursa subtendinea), welche als Gleitlager beim HeranfĂŒhren des Armes dient. Dabei liegt der Musculus teres major kranial des Musculus latissimus dorsi.

Funktion

Durch den Verlauf kann der Muskel den Arm nach innen drehen (Innenrotation), nach hinten ziehen (Retroversion) und wenn der Arm vom Körper seitlich wegbewegt wurde ihn wieder an den Körper heranziehen (Adduktion).

Innervation

Der Musculus teres major wird vom Nervus thoracodorsalis und/oder vom Nervus subscapularis, selten auch vom Nervus axillaris innerviert.


Musculus latissimus dorsi

Der Musculus latissimus dorsi (lat. fĂŒr „breitester RĂŒckenmuskel) liegt auf der ganzen LĂ€nge der WirbelsĂ€ule unterhalb des Schulterblatts (Scapula) und endet am oberen Beckenrand. Er wird teilweise vom Trapezmuskel ĂŒberdeckt.

Der Musculus latissimus dorsi hat seinen Ursprung am Rumpf. Er zieht sich vom Kreuz- und Darmbein ĂŒber die DornfortsĂ€tze der Lenden- und Brustwirbel durch die Achselhöhle zum Oberarm. Dabei bildet er mit dem vorderen SĂ€gezahnmuskel ein markantes Muster. Der M. latissimus dorsi ist der flĂ€chengrĂ¶ĂŸte Muskel des Menschen. An seiner Innenseite verlaufen Arteria, Vena und Nervus thoracodorsalis.

Anteile

Der Muskel hat vier Teile:

  1. Pars vertebralis (WirbelsÀulenteil)
  2. Pars costalis (Rippenanteil)
  3. Pars iliaca (Darmbeinanteil)
  4. Pars scapularis (Schulterblattanteil)

Funktion

Der Musculus latissimus dorsi dreht den Arm auf den RĂŒcken, wobei die HandflĂ€che nach außen zeigt, z. B. wenn die Hand an das GesĂ€ĂŸ gefĂŒhrt wird. Aus diesem Grunde wird er auch „SchĂŒrzenbindermuskel“ genannt. Er entfaltet seine Hauptwirkung bei angehobenen Armen, die er senken kann oder zum Beispiel bei KlimmzĂŒgen den Rumpf nach oben ziehen kann. Er ist damit der Antagonist des Musculus deltoideus und des Trapezmuskels. Mit dem Musculus teres major bildet er die hintere Achselfalte.

Der Muskel spielt eine synergetische Rolle bei der Streckung und SeitwÀrtsbeugung der LendenwirbelsÀule. Er hilft bei der gepressten Ausatmung (vordere Fasern) und auch als Atemhilfsmuskel bei der Einatmung (hintere Fasern).[1]

Als Teil der exspiratorischen Atemhilfsmuskulatur unterstĂŒtzt der Musculus latissimus dorsi („Hustenmuskel“) beim heftigen Atmen die Entleerung der Lunge.

Ventrale Gruppe

M. pectoralis major, M. coracobrachialis

M. pectoralis major

Der Musculus pectoralis major (lat. fĂŒr „grĂ¶ĂŸerer Brustmuskel“) bedeckt den gesamten vorderen Rippenbereich.

Am Oberarm ĂŒberschneiden sich die Fasern des Musculus pectoralis major: Die Fasern, die von weit unten kommen, setzen weiter oben an als die Fasern, die vom SchlĂŒsselbein kommen. Dadurch entsteht ein Bogen, der die vordere Begrenzung der Achselhöhle bildet. Der Musculus pectoralis major bedeckt den kleinen Brustmuskel (Musculus pectoralis minor). Außen liegt ihm die Brustfaszie an, welche ihn von der oberflĂ€chlichen Schicht der Brustwand trennt.

Der große Brustmuskel besteht aus drei Teilen:

  1. Pars clavicularis (SchlĂŒsselbeinteil)
  2. Pars sternocostalis (Brustbein-Rippen-Teil)
  3. Pars abdominalis (Bauchteil)

Funktion

Der Musculus pectoralis major zieht den Arm zum Körper (Adduktion), dreht ihn nach innen (Innenrotation) und zieht ihn nach vorne (Anteversion). Außerdem gehört er zur Atemhilfsmuskulatur. AbhĂ€ngig von der Position des Oberarms verĂ€ndert der Pectoralis jedoch seine Funktion. Er fĂŒhrt den Arm aus einer Anteversionsstellung zurĂŒck (Retroversion)[1]

Innervation

Der Musculus pectoralis major wird vom Nervus pectoralis lateralis und vom Nervus pectoralis medialis innerviert.


M. coracobrachialis

Der Musculus coracobrachialis (lat. fĂŒr „Hakenarmmuskel“) ist einer der Skelettmuskeln des Oberarms. Er entspringt gemeinsam mit dem kurzen Kopf des Musculus biceps brachii und ist in seinem proximalen Teil mit ihm verwachsen. Durch den Muskel tritt der Nervus musculocutaneus. Bei erhobenem Arm wird der Muskel durch die Haut sichtbar und fĂŒhrt an seiner Innenseite die GefĂ€ĂŸ-Nerven-Straße des Oberarms.

Funktion

Die Hauptfunktion des Musculus coracobrachialis ist die Fixierung des Oberarmknochens in der Schultergelenkpfanne. Seine weiteren Funktionen sind Adduktion (zum Körper ziehen), Anteversion (nach vorne ziehen) und Innenrotation des Armes.


Lerntipp đŸ«€

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Auf Youtube kannst Du mittels der Kapitelfunktion gezielt einzelne Muskeln nachhören.